MaSTERTALK ReAL ESTATE - Der Blog

 

Zurück aus dem Homeoffice – Worauf müssen Unternehmen achten? (26. April 2022)

Created with Sketch.

Heidelberg, 26. April 2022. „Das Büro bleibt Ankerpunkt“, lautete die Kernbotschaft des vorigen Mastertalks #19. Allerdings steht diesem Befund und dem Wunsch der Unternehmen nach Rückkehr ihrer Belegschaft in den Betrieb die Meinung eben dieser Mitarbeiter genau entgegen: Sie haben sich prächtig an die Arbeit von zuhause aus gewöhnt und wollen kaum noch zurück. Grund genug, dieses Thema beim aktuellen Mastertalk Real Estate #20: „Zurück aus dem Homeoffice – worauf müssen Unternehmen achten?“ einmal von der arbeitsrechtlichen und Betriebsratsseite anzugehen.


Bereits vor anderthalb Jahren haben wir im MasterTalk® die rechtlichen Fallstricke rund um Heimarbeit diskutiert. Wie sich die Dinge weiterentwickelt haben, sollte nun dieses Mal besprochen werden. Prof. Dr. Thomas Glatte, Professor für Immobilienwirtschaft an der Hochschule Fresenius und als CNG-Vorstandsmitglied für Aus- & Weiterbildung zuständig sowie Sven Wingerter, Geschäftsführer des WorkPlace-Spezialisten Eurocres und ebenfalls CNG-Vorstandsmitglied, hatten hierzu zwei Experten aus der Praxis eingeladen:

  • Saskia Steffen, Fachanwältin für Arbeitsrecht, Pflüger Rechtsanwälte
  • Thomas Köhler, Betriebsratsvorsitzender Standard Life-Versicherungen

 

In ihrem einführenden Vortrag beleuchtete Saskia Steffen die vielfältigen arbeitsrechtlichen Aspekte – von denen einige noch nicht gesetzlich oder höchstrichterlich geklärt sind. Gleichwohl begrüßte sie den Fortschritt der vergangenen zwei Jahre. Am Anfang einer betrieblichen Regelung stehe zunächst die Frage: „Welche Art von Arbeit möchte das Unternehmen?“ 

Hier gebe es drei Möglichkeiten:

  • Telearbeit, ein im Alltag wenig gebräuchliches und eher veraltetes Wort, stellt den gesetzlichen Begriff für das klassische Arbeiten von zuhause aus dar – und zwar ausschließlich von zuhause. Es gibt dann im Unternehmen keinen Arbeitsplatz (mehr). Der Arbeitgeber richtet den häuslichen Arbeitsplatz ein und trägt die Kosten dafür.
  • Alternierende Telearbeit bedeutet wechselweise von zuhause und vom Arbeitsplatz in der Firma aus. Diese Form ist häufig mit dem Wunsch des Arbeitgebers verbunden, Büroräume einzusparen – hier findet Desksharing statt. Die Kostenübernahme ist dabei gesetzlich nicht geregelt.
  • Mobile Arbeit: Die Beschäftigten erbringen ihre Arbeitsleistung mittels Laptop und arbeiten an einem beliebigen Ort – sie können ihren Arbeitsort autonom bestimmen. Auch hier ist die Kostenübernahme nicht gesetzlich geklärt.

Homeoffice stellt den umgangssprachlichen Begriff dar, der für alle diese Arbeitsformen verwendet wird

 

Aus Steffens Sicht hat die Arbeit von zuhause aus Vor- und Nachteile: Anreisezeiten fallen weg oder reduzieren sich zumindest. Daraus ergeben sich eine eindeutige Effizienzverbesserung, eine zeitliche Autonomie der Beschäftigten und die Work-Life-Balance steigt. Allerdings hat die Medaille eine zweite Seite: Job und Privatleben verschwimmen, Kommunikationswege sind länger oder schwerer und das soziale Miteinander geht verloren. 


Wie sehen daher die gesetzlichen Grundlagen für die Heimarbeit aus? Bis zum 19. März 2022 galt aufgrund der Corona-Pandemie die Homeoffice-Pflicht. Seitdem gibt es keine gesetzliche Basis mehr. Das Bundesarbeitsministerium plant zwar hierfür Regelungen, doch die Inhalte sind noch offen. Findet jedoch mobile Arbeit statt, haben die Betriebsräte heute schon ein Mitbestimmungsrecht. Arbeitgeber entscheiden allerdings frei über das Ob. Deshalb werden in der Regel individualrechtliche Vereinbarungen mit den Beschäftigten oder Betriebsvereinbarungen geschlossen.


Betriebsvereinbarungen sollten besonders folgende Aspekte regeln:

  • Was genau ist gewollt? (Alternierende) Telearbeit oder mobiles Arbeiten?
  • Die prozentuale Verteilung der Arbeit im Homeoffice und im Betrieb
  • Den Teilnehmerkreis: Für welche Arbeitsbereiche eignet sich das Homeoffice und für welche nicht? Wie geht man mit Einarbeitungszeiten um? Wie beendet man das Homeoffice, wenn es sich für bestimmte Beschäftigte doch nicht eignet?
  • Arbeitszeiterfassung: Denn auch im Homeoffice gelten die gesetzlichen Regelungen zur Arbeitszeit.
  • Räumliche und technische Voraussetzungen im Homeoffice
  • Aufwendungsersatz/ Kostentragung
  • Datenschutz
  • Arbeitsschutz und Versicherungsschutz
  • Wie wird der Arbeitsplatz im Betrieb organisiert? 

 

Einer der bedeutendsten Punkte dreht sich naturgemäß um die räumlichen und technischen Voraussetzungen im Homeoffice: Ist ein eigener Büroraum erforderlich? In jedem Fall müssen Unterlagen bei Beendigung oder Unterbrechung der Arbeit so weggeschlossen werden, dass keine Mitbewohner oder Besucher Zugriff darauf haben. Wichtig sind zudem die IT-Gegebenheiten, vor allem eine ausreichende Internetverbindung. 

Der andere entscheidende Aspekt betrifft die Kostenübernahme. Generell haben Arbeitgeber die Kosten dafür zu tragen, dass die Beschäftigten ihre Arbeitsleistung erbringen können. Dazu gehören vor allem Büromaterial, Technik und durchaus auch Büromöbel und eine Pauschale etwa für Heizung und Strom. All dies gilt gleichermaßen für Heimarbeit. Erfolgt die Beschäftigung im Homeoffice allerdings nur auf Wunsch der Beschäftigten, haben sie laut Bundesarbeitsgericht keinen Anspruch auf Ersatz der Aufwendungen – solange es einen Arbeitsplatz im Betrieb gibt. Allerdings gibt es zu Hybridkonzepten/ Desksharing noch keine Regelungen oder Rechtsprechung. 


Dabei geht es auch um Details: Was passiert, wenn etwa die IT zuhause ausfällt? Etwas, was schließlich selbst in der Firma passieren kann. Beim Datenschutz ist die Sache hingegen klar. Da gibt es keinen Unterschied. Er muss genauso eingehalten werden wie im Unternehmen. Das bedeutet, dass Endgeräte verschlüsselt sein müssen und man alles wegschließen muss, damit dritte keinen Zugriff haben. 


Ein klassisches juristisches Dilemma mit sich gegenüberstehenden Rechten und Verpflichtungen ist allerdings die Arbeitssicherheit. Hier müsste der Arbeitgeber eigentlich eine Arbeitsplatzbesichtigung vornehmen. Doch dem steht das Grundrecht auf Unverletzlichkeit der Wohnung gegenüber, das Steffen als wesentlich bedeutsamer ansieht als die Pflicht des Unternehmens. Dennoch müsse dieser Aspekt in irgendeiner Form in der Betriebsvereinbarung aufgegriffen werden.

 

Neue Erkenntnisse nach zwei Jahren Corona


Die Fülle der, oft neuen, Erkenntnisse beeindruckte Moderator Glatte. Er stellte fest, wie viel sich in den vergangenen zwei Jahren getan hat. Was aber sind die Knackpunkte in der Praxis? Diese Frage gab er sogleich an Thomas Köhler weiter. Er hat als Betriebsratsvorsitzender für die Standard Life – mit Hilfe von Rechtsanwältin Steffen – eine einschlägige Betriebsvereinbarung ausgehandelt und abgeschlossen; mit elf Seiten die Umfangreichste seiner bisherigen Betriebsratskarriere. Der größte Knackpunkt aus Sicht Köhlers war die Anwesenheit der Mitarbeiter im Betrieb, also das zeitliche Verhältnis zwischen Büro und Heimarbeit. „Wir sind hier bei vier Tagen gelandet. Nicht in der Woche. Im Monat!“ Und damit die Dimension auch jedem klar werden, schob er sofort hinterher: „Am Arbeitsplatz.“ Wahrlich ein Zeitenwechsel. 


Die Betriebsvereinbarung war auch deshalb notwendig geworden, weil die Standard Life für Juni nun die Rückkehr ihrer Mitarbeiter plant – wenn es die Angestellten wollen oder mindestens für vier Tage im Monat. Co-Moderator Sven Wingerter vom Workplace-Spezialisten Eurocres fragte, ob nicht generell das Risiko bestehe, dass die gesamte Belegschaft zurückkehren müsse. Darauf Rechtsanwältin Steffen: „Durch die Pandemie mussten alle ins Homeoffice und es war auch gesetzlich so geregelt.“ Nun, nach dem Wegfall der Rechtsgrundlage komme es auf die betrieblichen Regelungen an. „Selbst bei einer Betriebsvereinbarung kann der Arbeitgeber sagen, dass er das nicht mehr anbietet. Dann allerdings braucht jeder wieder einen festen Arbeitsplatz im Büro.“


Bei Standard Life hingegen kann man es sich aussuchen, wo man arbeitet – also auch im angestammten Büro. Das allerdings wollen laut Köhler nur noch ganze fünf Prozent der Mitarbeiter. Dabei war klar, dass man heute nur über jene Arbeitsbereiche redet, bei denen das möglich ist. Die Eingangspost etwa lässt sich nun einmal nur im Unternehmen bearbeiten. Wer indes unter umgekehrten Vorzeichen in den Betrieb zurückkehren möchte, obwohl das Unternehmen Homeoffice präferiert, habe laut Steffen wiederum keinen Anspruch auf einen bestimmten, eigenen, sondern nur einen Arbeitsplatz.


Dabei seien viele rechtliche Fragen noch völlig offen: „Das Bundesarbeitsministerium hat bislang keine guten Antworten geliefert, ich bin unglücklich drüber“, sagte Steffen offenherzig. „Welche sind denn die zwei, drei wichtigsten noch ungeklärten Punkte“, stellte Glatte daraufhin seine Abschlussfrage. Laut Steffen wäre das unter anderem die Frage, ab welchem prozentualen Anteil von Heimarbeit welche Rechte und Pflichten gelten. „Das muss der Gesetzgeber unbedingt klären. Das ist mein Wunsch, beispielsweise ab 20 oder 25 Prozent.“ Allerdings befürchtet sie: „Wir werden irgendwas bekommen wie zwölf Tage Anspruch auf Homeoffice im Jahr.“ Die Hoffnung auf den Gesetzgeber hat sie offenbar verloren. „Und das sagt die Rechtsanwältin der Arbeitnehmervertretung“, wie Glatte bedeutungsvoll betonte, bevor er zum Ausklang daran erinnerte, dass mit dem heutigen 20. Mastertalk ein rundes Jubiläum erreicht worden ist. 

 

Der nächste Mastertalk findet am 31. Mai 2022 statt – und auch da gibt es Grund zum Feiern. Es ist nämlich der 2. Geburtstag der Reihe.

Das Büro bleibt Ankerpunkt - Work from Home und die Implikationen für Corporate Real Estate-Strategien (15. März 2022)

Created with Sketch.

Heidelberg, 15. März 2022. Mobiles Arbeiten bildet seit zwei Jahren den Maßstab für aktuelle Arbeitswelten. Förmlich über Nacht sind im Frühjahr 2020 ganze Belegschaft ins Homeoffice geschickt worden. Nun möchten vor allem die Unternehmen ihre Angestellten wieder im angestammten Büro sehen – zumindest für einige Tage pro Woche. Woher kommt dieser Wunsch, welche handfesten unternehmerischen und betriebswirtschaftlichen Prämissen stehen dahinter und wie können gleichzeitig die Mitarbeiter zufriedengestellt werden, von denen ein Großteil gern weiter vom heimischen Arbeitsplatz aus tätig sein möchte? Um diese Fragen drehte sich der MasterTalk Real Estate #19 „Work from Home – Implikationen für Corporate Real Estate-Strategien" am 15. März 2022, veranstaltet von CoreNet Global und der Hochschule Fresenius.


Prof. Dr. Thomas Glatte, Professor für Immobilienwirtschaft an der Hochschule Fresenius und als CNG-Vorstandsmitglied für Aus- & Weiterbildung zuständig, hatte hierzu vier Redner aus Wissenschaft und Praxis eingeladen:

  • Prof. Dr. Andreas Pfnür, FRICS, Professor für Real Estate, TU Darmstadt
  • Björn Christmann, Geschäftsführer, Bayer Real Estate GmbH, Leverkusen
  • Meno Requardt, Sprecher der Geschäftsführung, VW Immobilien GmbH, Wolfsburg
  • Andrea Schmidt, Leiterin Mietvertragsmanagement, VW Immobilien GmbH, Wolfsburg


Zunächst stellte Professor Pfnür – laut Glatte „der Mann, der in unseren Breiten federführend für die Forschung über betriebliches Immobilienmanagement ist“ – die Thematik vor. Er präsentierte die Kernergebnisse einer großangelegten, von ihm durchgeführten Studie „Homeoffice im Interessenkonflikt“. Hierzu wurden 2.000 Teilnehmer in Deutschland und den USA in drei Befragungswellen über ihre Erkenntnisse, Erfahrungen und Befindlichkeiten zum Thema befragt: vom Azubi bis zum Vorstand. Die zentrale Schlussfolgerung nahm Pfnür gleich vorweg: „Der physische Arbeitsplatz ist extrem wichtig“ – für das Individuum und dessen Zufriedenheit, aber auch für die Leistung und damit den Arbeitserfolg des Unternehmens. Weitere elementare Punkte seines Reports:

  • Die Pandemieerfahrung führt vorerst zu keinem nachhaltigen Anstieg des Work from Home-Anteils
  • Es gibt ein arbeitsbezogenes maximales Potenzial für das Homeoffice von 60 Prozent der Aufgaben.
  • 57 Prozent der Befragten würden gern von zuhause aus arbeiten, Tendenz abnehmend.
  • Homeoffice fördert den Arbeitserfolg, birgt aber auch erhebliche Risiken: Die Befragte sehen sich durchschnittlich um 11 bis 14 Prozent produktiver. Dem stehen 40 Prozent an Befragten gegenüber, die ihre Heimarbeit als unproduktiv einschätzen.

 

Heimarbeit muss organisiert werden


Dies liege unter anderem daran, dass nicht alle Beschäftigten die gleichen Voraussetzungen für Heimarbeit besitzen. Als Negativfaktoren wirken sich die Arbeit von Anfängern, ein vernetzter Job ohne Entscheidungshoheit und Teilzeit aus. Ebenso: eine urbane Umgebung, Mehrfamilienhaus, Hochhaus, wenige Zimmer, kein oder nur ein kleines eigenes Arbeitszimmer. Auch wer einsam, gelangweilt, gestresst oder viele Personen in der Wohnung hat, ist nicht prädestiniert für die Arbeit von zuhause.


Dagegen erhalten Führungsfunktionen, digital affine oder berufserfahrene Personen, jene mit Vielfalt im Job und mit Autonomie in Planung und Entscheidung einen Auftrieb. Positiv auf Heimarbeit wirkt sich auch aus, wenn man „älter, wohlhabend, verheiratet, gewissenhaft und verträglich“ oder über einen Garten, gute Nachbarschaft, angenehmes Stadtquartier oder eine attraktive Einrichtung verfügt, führte Pfnür aus.


An diesen Attributen entscheidet sich, wer zu den Gewinnern oder Verlierern gehört. Hierzu gehören „Senior Employees“ mit einer Arbeitszufriedenheit von 6,2 und einer Produktivität von 5,1 (jeweils 7 mögliche Punkte), gefolgt von Fachkräften mit Arbeitszufriedenheit von 5,6 und einer Produktivität von 4,8 sowie Führungskräften mit einer Arbeitszufriedenheit von 5,6 und einer Produktivität von 4,2. Auf den letzten beiden Plätzen rangieren hingegen die „Entscheider von morgen“ mit einer Arbeitszufriedenheit von 5 und einer Produktivität von 3,8 – die, wenig überraschend, mehr Zeit im Büro als zuhause verbringen wollen – sowie die „Unterforderten“ mit einer Arbeitszufriedenheit von 3,9 und einer Produktivität von 3,6.

 

Job, Persönlichkeit und Arbeitsort sind entscheidend


Die Erfolgsfaktoren für mobile Arbeit liegen im Job und persönlichen Bereich begründet. Entscheidend ist indes auch der Arbeitsort, zu dem nicht nur das angestammte Büro oder die eigene Wohnung gehören, sondern auch die sogenannten Dritten Orte, wie etwa Coworkingplaces oder Satellitenbüros. Kommen diese mit ins Spiel, können die Arbeitszufriedenheit, aber auch die Produktivität deutlich gesteigert werden.


Fazit Pfnür: „Man muss immer den Organisationzusammenhang im Blick haben.“ Dabei seien die Erkenntnisse nahezu „amtlich“ und messbar. Entscheider dürfen beim Thema „Homeoffice“ daher nicht mehr dem Bauchgefühl folgen. Und: „Der Arbeitserfolg hängt vom Arbeitsort ab!“ Neben den harten Daten sei jedoch ein Punkt von höchster Bedeutung – und gerade deshalb drängen auch so viele Unternehmen auf die tageweise Rückkehr ihrer Belegschaft: „Wenn Du kein Büro mehr hast, verlierst du die Kultur.“ Allein schon aus diesem Grund werden die Büroflächen ein Revival erleben und qualitativ hochwertiger werden, betonte Pfnür abschließend.


Angesichts dieser geballten Informationen konnte Moderator Glatte nur den Hut ziehen: „Das war ein dickes Brett, gepresst in 30 Folien und 25 Minuten.“ Als Mann der Praxis kam im Anschluss Meno Requardt von Volkswagen ins Spiel und berichtete von den Erfahrungen des Konzerns und des von ihm geführten Tochterunternehmens: „VW war zu Beginn der Pandemie sehr konsequent mit Heimarbeit. Nach drei bis vier Wochen waren 100 Prozent der dafür infrage kommenden Leute zuhause. Und sie sind es seitdem. Einige Leute waren seit zwei Jahren nicht im Büro.“ Alle seien überrascht gewesen, wie gut das Geschäft weiterging.


Dabei müsse man allerdings aufpassen, dass die Unternehmenskultur nicht auf der Strecke bleibe, berichtete er von VW Immobilien mit 350 Mitarbeitern: „Wir haben eine ausgeprägte Willkommenskultur für neue Angestellte. Die müssen wir in die digitale Zeit retten.“ Zum Bild gehöre auch, dass viele Leute wieder zurück ins Büro wollen, zumindest tageweise. Daher werde die Homeofficepflicht entfallen. Auch Requardt betonte, dass sich Büroflächen weiterentwickeln müssen, um einen „Mehrwert gegenüber zuhause zu bieten“. Zu diesem Zwecke hat sein Unternehmen eine Etage umgebaut, um einen „Leuchtturm zu schaffen“.

Björn Christmann, zuständig für das globale Corporate Real Estate Management bei Bayer, rekapitulierte ebenfalls, wie nahezu alle Aufgaben im Frühjahr 2020 nach einer gewissen „Einschwingphase“ von zuhause erledigt werden konnten – selbst der Konzernabschluss. Auch sein Unternehmen habe das bestehende Bürokonzept weiterentwickelt und der neuen Zeit angepasst: „Das sind künftig Begegnungsstätten.“ Dabei sei es wichtig, die notwendige Flexibilität für die Kombination zwischen mobilem Arbeiten und Arbeiten im Büro zu bieten. Diese Flexibilität spiegelt sich in der „hybriden Arbeitswelt“ wider. Aktuell hat Bayer auf globaler Ebene bereits rund 70 Büroprojekte initiiert bzw. geplant (unter anderem mit Desk-Sharing) und viele konnten bereits erfolgreich abgeschlossen werden. Wichtig für Christmann ist die richtige Balance zwischen „mobilem Arbeiten“ und „Arbeiten im Büro“ zu finden, um u.a. die Unternehmenskultur und das Zusammengehörigkeitsgefühl weiter zu stärken. Er betont: „Wir wollen kein virtuelles Unternehmen werden.“

 

Moderne Arbeitswelten als Lagerfeuer


Co-Moderator Sven Wingerter, vom Berliner Workplace-Spezialisten Eurocres gefiel der Ansatz der Vorredner, die Qualität Büros deutlich auszubauen – für ihn „wahre Lagerfeuer“, um die sich die Belegschaft sammelt und austauscht. All diese Konzepte benötigen allerdings ein Regelwerk, wie Requardt betont: „Damit stärkt man den Führungskräften den Rücken.“ Schließlich stehen angesichts unterschiedlicher Meinungen viele Konflikte an. Aus diesem Grund hat VW auch eine Betriebsvereinbarung abgeschlossen, die „uns maximale Flexibilität ermöglicht.“ Wichtigste Bedingung: Mindestens einen Tag pro Woche muss man im Büro sein, was man aber auch auf einen Monat strecken kann. Doch am Ende bleibe das Büro der Ankerpunkt, so Requardt.


Auch Bayer hat eine Gesamtbetriebsvereinbarung mit dem Namen „hybride Arbeitswelt“ verabschiedet – ein Meilenstein. „Sie gibt den Rahmen vor, nun gehe es an die Ausgestaltung“, sagte Christmann. In einer großen Umfrage unter über 15.000 Kollegen in Deutschland haben diese den Wunsch geäußert, im Durchschnitt zwei bis drei Tage pro Woche ins Büro zu kommen. Letztlich müsse dies aber individuell entschieden werden, je nach Abteilung oder Team. Ohne begleitendes Changemanagement laufe dieser Prozess aber nicht.


An dieser Stelle unterstreicht Professor Pfnür: „Ein Unternehmen besteht aus Mitarbeitern, die an einem Ort tätig sind.“ Nur so lassen sich beispielsweise Innovationen vorantreiben. „Zukunftsfähige Unternehmen müssen im Büro arbeiten.“ Warum aber bevorzugen dann mehr Beschäftigte das heimische Büro als in der Firma, fragte er und antwortete sogleich: „Weil der Zustand unserer Büros bescheiden ist. Mitarbeiter hingegen wollen Qualität!“

Andrea Schmidt, ebenfalls von VW Immobilien berichtete von den Erfahrungen mit Meetings: „Die führen wir inzwischen hybrid durch. Dafür ist wiederum der Fokus auf Technik wichtig.“ Gleichzeitig brach sie eine Lanze für spontane Begegnungen: „Die Vernetzung kommt derzeit zu kurz. Bei den Teams läuft das zwar. Im Homeoffice-Zeitalter bleiben aber das zufällige Treffen mit anderen Kollegen und das informelle Fachgespräch über die Abteilungen hinweg auf der Strecke. Auch daher wünschen wir es uns, dass sie in die Büros zurückkommen.“

 

Nicht nur Homeoffice – das ganze Bild im Blick haben


Wird nun alles günstiger für die Unternehmen, wenn die Angestellten unterm Strich viel weniger Büroraum belegen? Dazu Christmann von Bayer: „Die Belegungskosten können sicherlich optimiert werden, aber die Transformation kostet Geld“. Ein Teil der notwendigen Investitionen können durch Einsparungen „refinanziert“ werden. Und was bedeutet all dies dann für die Assetklasse Büro, fragte Glatte in seiner Schlussrunde. Hierzu VW-Mann Requardt: „Die Assetklasse bleibt elementar wichtig, aber sie wandelt sich. Die geringere Fläche wird wertvoller.“ Und Christmann von Bayer: „Die Assetklasse bleibt, aber die Portfolios der Corporates werden sich ändern.“


In seinem Abschlussstatement erklärte Pfnür, dass man das Thema mobiles Arbeiten nicht zu eindimensional sehen dürfe: „Wir müssen uns das ganz große Bild anschauen. Wir erleben einen riesigen Strukturwandel durch Digitalisierung, Roboter und Künstliche Intelligenz. Die Arbeitswelten werden sich verändern, wir müssen aber alles gleichzeitig angehen. Homeoffice ist nur ein kleines Element von vielen.“

Green Building Standards – What will change after EU Taxonomy and COP26? (11. Januar 2022)

Created with Sketch.

Heidelberg, 11. Januar 2022 – Das Thema Nachhaltigkeit & Klimawandel ist auch nach der UN-Klimakonferenz in Glasgow 2021 (COP26) omnipräsent – und wird zunehmend zum wesentlichen Treiber unserer Wirtschaft und somit auch der Immobilienbranche. Nun rückt die Regulierung der EU-Taxonomy in den Fokus. Was sind die Rahmenbedingungen solcher und anderer Regel- und Zertifizierungswerke? Und wie sollte sich die Immobilienwirtschaft darauf einstellen? Diesen Fragen ging der MasterTalk Real Estate #18  „Green Building Standards – What will change after EU Taxonomy and COP26?" am 11. Januar 2022 nach, veranstaltet von CoreNet Global und der Hochschule Fresenius. Wie sehr die Debatte die Branche elektrisierte, zeigte die Rekordzahl von 100 Teilnehmern – was die Zoom-Kapazitäten ans Limit brachte. Nicht jeder Interessent konnte daher der Diskussion folgen.


Prof. Dr. Thomas Glatte, Professor für Immobilienwirtschaft an der Hochschule Fresenius und als CNG-Vorstandsmitglied für Aus- & Weiterbildung zuständig, hatte hierzu gleich die drei Vorstände von Green Building Councils (GBC) gewonnen – mit Deutschland, Dänemark und Spanien allerdings aus unterschiedlichen Ländern. So konnten sie auch auf die nationalen Besonderheiten eingehen:

  • Dr. Christine Lemaitre, CEO Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB)
  • Mette Qvist, CEO Green Building Council Dänemark
  • Bruno Sauer, CEO Green Building Council Spanien


Hauptrednerin Dr. Christine Lemaitre gab in Ihrem Eingangsstatement einen Überblick über die Entwicklung – ausgehend vom Pariser Klimaabkommen über Glasgow bis zur EU-Taxonomy – und die Zertifizierungssystematik. Um nachhaltiges Bauen anwendbar, messbar und damit vergleichbar zu machen, hat ihre DGNB ein eigenes Zertifizierungssystem für Gebäude, Innenräume und Quartiere entwickelt – sowohl für Neubauten als auch für Bestandsprojekte. Als Planungs- und Optimierungstool soll das DGNB-System dabei helfen, die Nachhaltigkeit von Bauprojekten zu erhöhen, und dazu beitragen, eine ganzheitliche Qualität in Planung, Bau und Betrieb umzusetzen – und so die Zukunftssicherheit von Bauprojekten zu gewährleisten.


Der Zertifizierungsprozess – mit den drei wesentlichen Kriterien: Lebenszyklusbetrachtung, Ganzheitlichkeit und Performanceorientierung – dient der transparenten Qualitätskontrolle. So wird der gesamte Lebenszyklus eines Projekts mit betrachtet – in puncto Umweltauswirkung und Ressourcenverbräuche, aber auch Bewirtschaftungs- und Instandhaltungskosten. Die zentralen Nachhaltigkeitsbereiche Ökologie, Ökonomie und Soziokulturelles fließen gleichgewichtet in die Bewertung mit ein.


Der Taxonomy-Plan, als Teil des Green Deals der EU und des EU-Aktionsplans für Nachhaltige Finanzierung, solle den Finanzsektor regulieren – ein Haupthebel bei der Steuerung von Investments: „Immobilien gehören zu den wichtigsten Zielobjekten, in die Kapital investiert wird. Der Green Deal wiederum nimmt die Immobilienwirtschaft als große Branche besonders in den Fokus. Daher müssen vor allem für Gebäude verbindliche Kriterien definiert werden.“ Umweltziele der EU-Taxonomy sind dabei in erster Linie die Verlangsamung des Klimawandels beziehungsweise eine Anpassung daran.

 

Wann ist ein Immobilieninvestment nachhaltig?


Nachhaltigkeit und der gesetzliche und politische Umgang damit erforderten eine ganzheitliche Herangehensweise. Ein Klassifizierungssystem sollte hier die Richtung vorgeben, über praktikable Tools verfügen, gleichzeitig aber flexibel sein. Daneben räumte Lemaitre auch mit Vorurteilen auf. So sei die EU-Taxonomy kein Rating von guten oder schlechten Unternehmen und gebe auch keine verpflichtenden Investmentlisten vor. Lemaitre beantwortete zudem auch die Kernfrage: „Was macht ein Immobilieninvestment bezogen auf die Taxonomy nachhaltig?“ Hierfür müsse es einen substanziellen Beitrag zu mindestens einem der sechs Umweltziele leisten, während die anderen fünf Ziele nicht wesentlich beeinträchtigt werden dürften. Obendrein müssen soziale Schutzmechanismen eingehalten werden.

Abschließend berichtete Lemaitre von den Ergebnissen einer Studie darüber, wie der Markt auf die Gebäudekriterien der Taxonomy vorbereitet sei. Hieran nahmen 24 Unternehmen mit 62 Projekten teil. Ein Auslöser der Erhebung war, dass am Markt große Zweifel, Nervosität aber auch Unsicherheit bestehen – ein Begriff, der sich durch die Diskussion zog. Das Resultat der Untersuchung stimmt indes positiv: Die Einhaltung der Regeln werde als durchführbar angesehen, was zum Fazit Lemaitres führte: „No more excuses, you have to start.“

 

Enttäuscht von EU-Plänen


Auf die Frage von Moderator Glatte, wie sie die EU-Taxonomy-Kriterien generell einschätze, zeigte sie sich enttäuscht. In einer ersten Reaktion hatte der DGNB von einem „unambitionierten Rückschritt“ gesprochen. Ins selbe Horn stieß Mette Qvist vom GBC Dänemark. Auch ihr gehen die Vorgaben nicht weit genug: “Der Markt will Qualität und der Markt kann liefern. Es ist schade, dass die EU das nicht berücksichtigt hat.“ Dabei gebe es eine starke Nachfrage nach nachhaltigen Gebäuden durch Investoren und öffentlicher Hand. Sie sieht die Branche in Dänemark mit ihren hohen Maßstäben und Zielen, die staatliche Regeln übertreffen, sogar als Vorreiter an.


Bruno Sauer, GBC Spanien, sieht sein Land gegenüber dem Rest Europas weniger als Pionier an. Aber auch hier herrsche eine starke Nachfrage. Zudem fungiere man als Scharnier zwischen öffentlichem Interesse und privatem Markt. Sogleich rief er die Branche auf: „Wir haben die Zahlen und Daten. Also legt los, macht Eure Hausaufgaben.“ Ihm gehe es nicht schnell genug: „Wir sehen bei unserer Arbeit jeden Tag Häuser, bei denen man es besser machen könnte. Viele scheuen immer noch vor den Kosten zurück. Stattdessen sollten sie ambitionierter sein und aus ihrer Komfortzone herauskommen!“ Co-Moderatorin Martina Williams war begeistert: “Danke für deinen Call to Action, Bruno.”


Laut Sauer haben Ratingsysteme ihre absolute Berechtigung. Sie lassen sich gut nutzen: „Doch global gesehen, sollten wir uns nicht so sehr auf einzelne Gebäude, sondern die urbane Transformation konzentrieren, auf Energieverbrauch und Transport. Über allem steht die Frage: ‚Wie kann das alles effizienter sein?‘“

 

Kaum noch neue Gebäude?


Eine große Entwicklung ist dabei, wesentlich weniger neue Gebäude zu bauen. Vielmehr sollten bestehende Objekte erhalten, umgebaut und effizienter gestaltet werden – statt diese abzureißen. Qvist berichtete hier von Architekturstudenten in Dänemark, die davon ausgehen, gar kein neues Haus mehr zu errichten. Für sie kommt der Ruf nach Veränderungen aus der Mitte der Gesellschaft, von jüngeren Angestellten, aber auch Pensionsfonds und Investoren.


Sauer allerdings empfindet die Immobilienwirtschaft als „nicht übermäßig innovativ, verglichen mit anderen Branchen wie Transport oder dem Internet der Dinge“. Worauf Lemaitre erwiderte: „Wir bauen für 50 Jahre. Vielleicht ist es ganz gut, dass bei uns nicht gleich alles direkt ausprobiert wird. Läuft eine Entwicklung schief, ist es gut, dass wir eher langsam sind.“ Und Qvist ergänzte: “Wir müssen aus verschiedenen Perspektiven auf die Dinge sehen, auch in andere Länder schauen, unser Wissen austauschen und mehr Risiken eingehen.“


Daran schloss sich Glattes finale Frage an: “Wenn wir uns die nächsten Jahre anschauen, wer ist da der Motor der Entwicklung? Sauer: „Das können Architekten sein, Investoren, auch Banker. Immer aber sind es individuelle Personen, die von der Sache überzeugt sind; keine einzelnen Berufsgruppen.“ Ähnlich denkt Qvist: “Das kommt aus allen Bereichen; von dort, wo es ambitionierte Unternehmen gibt. Vor allem aber entsteht der Druck in der allgemeinen Öffentlichkeit.” Lemaitre sieht ebenfalls nicht den einen Treiber. Trotzdem sorge besonders „das Finanzwesen für einen Push und für Transparenz.“


Moderator und Initiator Glatte freut sich über die “tolle Zusammenfassung.“ Wie auch die Rekordteilnehmerzahl zeigte, sei das ein riesiges Thema, das wir heute nicht annähernd ausfüllen konnten. Daher werde man den Faden hierzu im Laufe des Jahres wieder aufgreifen – und auch bei den Zoom-Kapazitäten aufrüsten.

Klima.Wandel.Chance - Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Immobilienwirtschaft (23. November 2021)

Created with Sketch.

Heidelberg, 23. November 2021 – Der Klimagipfel in Glasgow ist vorüber – doch das Thema hält uns weiter in Atem. Wie also kann und muss sich die Immobilienwirtschaft auf den Klimawandel einstellen? Welche Auswirkungen sind vor allem in puncto Preise und Bewertung zu erwarten? Und so drehte sich der MasterTalk Real Estate #17 am 23. November 2021 um den Titel: „Klima. Wandel. Chance: Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Immobilienwirtschaft“ ?“, veranstaltet von CoreNet Global (CNG) und der Hochschule Fresenius Heidelberg.


Um der Diskussion ein solides Fundament zu geben, hatte Prof. Dr. Thomas Glatte, Professor für Immobilienwirtschaft an der Hochschule Fresenius und als CNG-Vorstandsmitglied für Aus- & Weiterbildung zuständig, dieses Mal zwei Diskussionsteilnehmerinnen eingeladen, die die wichtigsten Erkenntnisse ihres „PMRE Monitors 2021“ mit dem gleichnamigen Titel „Klima. Wandel. Chance.“ vorstellten: 

  • Prof. Dr. Marion Peyinghaus, Geschäftsführerin Competence Center Process Management Real Estate GmbH (CCPMRE) und Professorin an der hochschule 21, Buxtehude
  • Prof. Dr.-Ing. Regina Zeitner, ebenfalls Geschäftsführerin des CCPMRE und Professorin an der HTW Berlin

 

Aus Sicht der zwei Autorinnen „ist der Klimawandel unausweichlich: Stürme, Überschwemmungen, Hitzeinseln in den Innenstädten sind Konsequenzen, mit denen die Immobilienwirtschaft bereits heute konfrontiert wird.“ Ein durchaus düsteres Bild der Zukunft, wie beide zugeben. Doch ihre Kernbotschaft an die Immobilienwirtschaft lautet sogleich: „Investitionen in den Klimaschutz lohnen sich.“ Auch, weil ihrer Meinung nach die Folgekosten von unterlassenem Klimaschutz die vermeintlich eingesparten Mittel um ein Vielfaches übersteigen. 


Daneben erkennen beide einen Wandel in der Gesellschaft, den sie mit dem PMRE Monitor herausgearbeitet haben: Demnach entstehen neue Bedürfnisse, und Kunden erwarten klimagerechtes Wohnen und Arbeiten. Der Klimawandel solle daher nicht als Bedrohung zu verstehen sein, „sondern auch als Chance, neue Produkte zu generieren und zusätzliche Kundengruppen zu erschließen.“ Peyinghaus gibt angesichts der alarmierenden Meldungen zu: „Es hört sich skurril an, weil es bedrohlich ist. Aber im Klimawandel stecken auch Chancen. Wenn die Immobilienwirtschaft erkennt, dass sich Investitionen lohnen, wird sie es tun. So entstehen lukrative Möglichkeiten.“ 


Wie genau der Markt das sieht – Anbieter und Nachfrager –, haben sie aktuell in einer internationalen Untersuchung erhoben. Hierzu haben die beiden Studienautorinnen mehr als 200 Immobilienspezialisten befragt, darunter überwiegend Immobilienbewerter und Experten, die sich strategisch mit Immobilien beschäftigen. Daneben konnte auch die Generation Z antworten – 140 Studierende aus Deutschland und 51 aus Übersee. Eine der zentralen Fragen drehte sich um das Jahr der erwarteten Klimaneutralität in der Immobilienwirtschaft: Die Antworten ergaben das Jahr 2064, was Peyinghaus mit der Bemerkung quittierte: „Da haben wir noch viel zu tun.“ Wie man es stattdessen machen könne, da helfe ein Blick in die Niederlande. Dort sei der Schock über die möglichen Klimaschäden bereits angekommen. „Die Niederlande fühlen sich bedroht, gerade auch durch den ansteigenden Meeresspiegel, und haben diese Bedrohung in einen Geschäftszweig verwandelt, etwa mit Pump- und Sperrwerken.“ Architekten dort haben das „Leben auf dem Wasser“ zum Thema erhoben – beides lasse sich weltweit exportieren. Im Nahen Osten wiederum nutze man sehr stark Wasser als Kühlung von Gebäuden – solche positiven Vorbilder finden nun langsam auch hierzulande ihre Verbreitung.

 

Push- und Pullfaktoren


Die Niederlande zeigen also Kompetenz durch einen „Push“. In vielen Lebens- und Wirtschaftsbereichen gebe es aber auch einen Pullfaktor für die Immobilienwirtschaft: Besonders die internationalen Studierende haben in der Befragung angekündigt, dass Klimaschutz ein „Job-Auswahlkriterium“ sei. Eine ganz harte Währung für die Branche sei jedoch die Bereitschaft zur Mietpreissteigerung durch klimabedingte Baumaßnahmen. Im Mittel sind die Studienteilnehmer bereit, 5,2 Prozent mehr für die Miete auszugeben.

Wenn die Miete steigt und sogar steigen darf, gehen folglich auch die Werte „klimaresilienter Immobilien“ nach oben – sofern diese bestimmte Kriterien erfüllen. Hierzu gehört zu allererst eine gute ÖPNV-Anbindung, ein CO2-neutraler Betrieb, eine Lage im „Urban Village“ (alle wesentlichen Orte sind innerhalb von 15 Minuten erreichbar) oder eine gute Raumluftqualität. Haben die Investoren ihre Hausaufgaben gemacht und positive Klimafaktoren „eingebaut“, kann die Bewertung der Immobilien um 8,6 Prozent anziehen.

 

Licht und Schatten


Allerdings gibt es auch – vor allem wenn man den Bedrohungsszenarien folgt – die Kehrseite: den herben Wertverlust. An erster Stelle Überschwemmungen, Erdrutsche und Waldbrände, aber auch Dürren, eine mangelhafte CO2-Bilanz und Smog können den Wert von Immobilien drastisch senken. Rechnerisch um 20,5 Prozent – mehr als die Chancen durch Wertsteigerungen auf die Waage bringen, weshalb die Folie auch mit „Stranded Assets“ überschrieben war. 47 Prozent der Befragten geben an, sich wegen des Klimafaktors „Hitze“ keine Wohnung in der Innenstadt nehmen zu wollen, 48 Prozent keine vier Wände im Dachgeschoss.

Aber auch Betreiber von Büroimmobilien müssen sich auf veränderte Wünsche – kostenträchtig – einstellen: 76 Prozent wünschen sich eine Raumluftkühlung im Büro. Schließlich sinke bereits ab 26 Grad die Arbeitsproduktivität. „Bessere Luftqualität“ rangiert als Wunsch an die Arbeitgeber auf Platz zwei, gefolgt von „klimaneutralen Mobilitätsangeboten“ und „klimaneutralem Betrieb“. 74 Prozent wünschen sich eine generelle Klimakultur im Unternehmen.

Ihren Vortrag fasste Peyinghaus mit einer Aufrechnung von klimabedingten Investitionen und Erlösen zusammen: 12,7 Prozent mehr Instandhaltungskosten, 8 Prozent mehr Finanzierungskosten und 7,4 Prozent mehr IT-Kosten stehen 8,9 Prozent höhrere Gewinne bei „Verkaufspreisen durch Klimaneutralität“ oder 7,1 Prozent Mietpreissteigerungen gegenüber. 

Moderator Glatte bedankte sich für den „sehr spannenden Vortrag!“ über Chancen und Risiken des Klimawandels, konnte sich aber einen Seitenhieb auf die Generation Z nicht verkneifen: „Sie möchten im Green Urban Village wohnen und mit dem ÖPNV ins Büro kommen – das aber bitte eine Klimaanlage haben soll. Und dann fliegen sie schnell noch mal auf die Malediven, bevor diese auf Grund des Meeresanstiegs überflutet werden.“

 

„Da gehe ich als Investor doch raus aus Immobilien!“ 


In der anschließenden Diskussion und Fragerunde machte Co-Referentin Zeitner keinen Hehl aus ihrem pessimistischen Grundgefühl: „Ich bewerte vieles was aktuell in der Immobilienwirtschaft realisiert wird als deprimierend, etwa wenn ich durch Berlin fahre, und mir die Projektentwicklung in der Europacity anschaue. Erst wenn Geld mit dem Klimawandel gemacht werden kann und der Markt danach verlangt, dann wird es interessant. Ich hoffe darauf.“


Co-Moderator Peter Prischl griff die laut Glatte „Top-Erkenntnis des heutigen Mastertalks“ zu den Wertsteigerungen auf: „Gibt es denn schon erzielbare höhere Preise für Immobilien – real?“ Laut Peyinghaus fehlen noch die Daten zum direkten Zusammenhang zwischen Klima und Wertsteigerung, trotz einzelner Leuchttürme. Prischl nahm sogleich die asymmetrische Verteilung von „8,6 Prozent Chancen vs. 20,5 Risiken“ aufs Korn: „Da gehe ich doch als Investor ganz raus aus Immobilien!“ Dem entgegnete Peyinghaus, dass Deutschland ja beileibe „nicht nur aus Überschwemmungsgebieten besteht. Da gleicht sich das Risiko aus.“ Für Büros in Innenstädten sei aber das Problem der „Hitzeinseln“ relevant. Überhaupt werde „das Risiko, das auf uns zukommt, schnell allen klar werden.“ In den letzten Jahren habe man das nicht gesehen. Jetzt aber nehmen die Risiken zu – eine klare „Motivation, um etwas zu tun.“ Hier fügte Glatte hinzu: „Gerade in Asien ist es die Immobilienbranche, die das Thema antreibt. Anders hierzulande, wo die Branche hinterherhängt.“ Was brauche man also, um den Umbruch einzuleiten?


„Mehr Konsequenz“, brachte es Peyinghaus auf den Punkt, ergänzt durch Kollegin Zeitner: „Mehr Mut, mehr Leuchtturmprojekte. Und: Wir müssen es auch von uns verlangen, nicht nur von der Politik!“ Dies leitete sogleich zur Abschlussfrage von Mastertalk-Initiator Glatte über: „Wie wird die Studie in zehn Jahren ausfallen? Welche Jahreszahl komme da bei der Klimaneutralität für die Branche raus? Peyinghaus hofft auf das Jahr 2050, etwa durch „mehr Restriktionen und steigende CO2-Preise.“ Glatte schlussfolgerte: „Die Immobilienwirtschaft wird sich bewegen müssen. Aber auch wir, nicht nur die Branche. Wir müssen raus aus der Komfortzone. Man muss bereit sein, Lasten zu tragen.“


Mit diesen Worten beendete er den letzten Mastertalk in diesem Jahr, obendrein mit einer Rekordteilnahme von ca. 80 Gästen – „was zeigt, dass das Thema auf den Nägeln brennt und uns auch bei den Mastertalk-Themen in 2022 weiterbeschäftigen wird.“

„Der digitale Arbeitsplatz - Wie transparent wird die moderne Arbeitswelt?“ -  Nutzererfahrungen mit Einspareffekten beim Mastertalk Real Estate (26. Oktober 2021)

Created with Sketch.

Heidelberg, 26. Oktober 2021 – Es wird keine Zukunft der Arbeit geben, wenn unser Arbeitsumfeld nicht die technischen Voraussetzungen und praktischen digitalen Lösungen dafür bereithält. Was aber ist überhaupt ein smarter Workplace? Welche konkreten Anwendungen existieren bereits? Und wie können wir moderne Technologien nutzen, um Räume, Arbeitsprozesse und das Nutzererlebnis in Büroimmobilien zu optimieren. Diese zentralen Fragen wollte der diesmal englischsprachige MasterTalk Real Estate #16 „The digital workplace: How transparent is the modern work environment?“ am 26. Oktober 2021 beantworten, veranstaltet von CoreNet Global und der Hochschule Fresenius Heidelberg.


Um den Teilnehmern besonders praxisnahe Einsichten zu ermöglichen, hatte Prof. Dr. Thomas Glatte, Professor für Immobilienwirtschaft an der Hochschule Fresenius und als CNG-Vorstandsmitglied für Aus- & Weiterbildung zuständig, dieses Mal bewusst zwei Vertreter internationaler Technologieanbieter und Marktführer eingeladen:

  • Steve Morren, EMEA Channel Sales Director bei iOFFICE
  • Youri Wildeman, Head of Business Development EMEA & APAC bei VergeSense

 

Mit einem Insiderblick wollte der Mastertalk die Möglichkeiten und den Nutzen konkreter Produkte und Dienstleistungen diskutieren – und wie sie sich in das Arbeitsumfeld einbauen lassen. Mastertalk-Co-Moderatorin Martina Williams, Head of Work Dynamics DACH &CEE bei JLL, beleuchtete zunächst die Ausgangslage: Leitfäden für den digitalen Arbeitsplatz seien besonders die Organisation der Räume, das Nutzererlebnis und die Zusammenarbeit der Angestellten mit smarten Technologien – idealerweise mit nützlichen Funktionen. Aus diesem Grund wolle der Mastertalk auch auf zwei reale Systeme blicken und identifizieren, welchen Mehrwert sie schaffen können. Um indes das „neue Normal“ zu gestalten, müssten laut Williams die Arbeitgeber mehrere Faktoren erfüllen:

  • Die Präferenzen der Mitarbeiter berücksichtigen – Technologie wird ein Schlüsselfaktor für neue Arbeitsmodelle sein.
  • Umfangreiche Live-Daten einsammeln, um CRE-Strategien zu unterstützen und die neuen personenbezogenen Kennziffern zu identifizieren, die in der neuen Arbeitswelt wichtig sind.
  • Lösungen einsetzen, die den Menschen in den Mittelpunkt stellen und deren Arbeit von überall aus zu ermöglichen.

 

Zentrale Anwendungen seien dabei das „Planen und Ermöglichen“, etwa das Buchen, die Raumplanung oder das Messen von Arbeitsplatzkennziffern, angereichert durch Kommunikationsmittel, besonders Apps. Insgesamt gehe es dabei um das grundsätzliche Verhältnis zwischen Organisation/Unternehmen, Arbeitgeber und Arbeitnehmer – eingerahmt durch die Büroimmobilie.

 

Zentral: die Nutzererfahrung


Sogleich berichtete Steve Morren von iOffice – einem Unternehmen, das erst kürzlich mit SpaceIQ fusionierte – aus der Praxis. Der Dienstleister mit mehr als 500 Mitarbeitern, über 10.000 Kunden in mehr als 85 Ländern und 185 Millionen Quadratmeter gemanagter Bürofläche bietet Softwarelösungen für das gesamte Ökosystem an: Wartung & Betrieb, Arbeitsplatzmanagement und Mitarbeitererfahrung. Das Kernprodukt: iOFFICE iXMSSoftware (IXMS: Integrated Experience Management Software) sei einfach und sofort bereitzustellen und zu integrieren. Morren stellte drei Haupteinsatzgebiete näher vor: 

  • Das Raummanagement, um die Anforderungen des Unternehmens zu erfüllen, während gleichzeitig Kosten verwaltet und kontrolliert werden. Im Mittelpunkt steht hier die Frage „Wer sitzt wo?“ Mit „Space Rights“ werden unter anderem – vor allem angesichts der Corona-Erfahrungen – die physische Distanz organisiert und die Kapazitätsplanung in Zeiten des hybriden Arbeitens gemanagt.
  • Positive Arbeitsplatzerfahrung, um Talente zu gewinnen, zu halten und zu fördern, inklusive App-Einsatz für transparente Informationen der Arbeitswelten, Reservierungen, Raumfinder und Visualisierung.
  • Datenerfassung in Echtzeit für eine datengesteuerte Entscheidungsfindung über Belegungsraten, Anzahl der Mitarbeiter, heruntergebrochen auf einzelne Raumbereiche und im Zeitverlauf.

 

Dynamische Arbeitsplätze


Im Anschluss präsentierte Youri Wildeman von der amerikanischen VergeSense – der nach eigener Aussage führenden Plattform zur Arbeitsplatzanalyse – das Produkt seines Arbeitgebers. Auch hier werden umfangreiche Echtzeitdaten zur Belegungsnutzung erhoben, die Dank Künstlicher Intelligenz tiefe Einblicke und Visualisierungen erlauben. Das Tool liefere ausgiebige Live-Berichte, denn, so Wildeman: „Dynamische Arbeitsplätze erfordern genaue und aktuelle Nutzungsdaten.“ Mit VergeSense können man das Immobilienportfolio optimieren, CRE-Kennziffern verbessern und das moderne Workplace Design organisieren. Ziel: Das ideale Raumszenario – selbstverständlich verknüpft mit den Aspekten IT-Sicherheit, Privacy und DSGVO.


Kernstück bei VergeSense: Ein Sensor an der Decke, (verdrahtet oder drahtlos), der die Räume, Personen und das Mobiliar erfasst, deren Daten live analysiert und kommuniziert. Selbst leere Schreibtische, die trotzdem von jemandem belegt werden, kann der Sensor anhand von Laptops, Taschen oder Jacken identifizieren. “Wir helfen unseren Kunden, aus statischen Arbeitsplätzen dynamische Arbeitswelt zu machen“, so das Zwischenfazit Wildemans. Die Pandemie habe gezeigt, wie gut mobiles Arbeiten funktioniere. Nun müssten die Aspekte Teamwork, Zusammenarbeit und persönlicher Austausch besonders adressiert werden. Immobilienverantwortliche können mit seinem Produkt ein Verständnis dafür gewinnen, wie man die einzelnen Plätze und Raumtypen nutzen kann – vor allem auch, um das Portfolio besser zu nutzen und anzupassen. Nötig sei hierfür die smarte Erfassung der Daten, um eine präzise Sicht auf die Belegung und Interaktion der Mitarbeiter zu erhalten.

 

Umsatzwachstum von 400 Prozent


Es bestand kein Zweifel: Die praktischen Anwendungen treffen den Nerv Corona-geprüfter und Homeoffice-erprobter Unternehmen. Und so fragte Moderator Glatte gleich nach der jüngsten Geschäftsentwicklung der beiden Protagonisten. Die gleichermaßen beeindruckende wie eindeutige Antwort Wildemans: “Von Juni 2020 bis Juni 2021 ist unser Umsatz weltweit um 400 Prozent gewachsen. Große Konzerne lieben unsere Dienstleistungen und es wird noch eine Weile so weitergehen.“ Auch Morrens Unternehmen sei „sehr beschäftigt, da die Nachfragen steigen.“


Die Frage eines Teilnehmers zielte auf die Vorgehensweise beim Einführen des Systems ab. Dazu Wildeman: „Entscheidend ist es, die gesamte Organisation und alle wichtigen Bereiche einzubinden: die IT- und Rechtsabteilungen, den Datenschutzbeauftragten und unbedingt den Betriebsrat – und zwar bevor es losgeht.“ Gerade gegenüber der Arbeitnehmervertretung würde man immer wieder betonen, dass man keine konkrete Personen tracke und alles anonym bleibe: „Unsere Technologie erfasst keine personenbezogenen Daten“, so Wildeman. 


Trotz der massiven Überzeugungsarbeit können die Systeme in den USA und Asien wesentlich leichter und schneller eingebaut werden als etwa in Skandinavien, Frankreich oder Deutschland. Hierzulande müssten mehr Fragen beantwortet werden und eine Einführung dauere deutlich länger. Morren ergänzte: „Deutschland ist einer der schwierigsten Märkte, wenn es um die Erfassung von Echtzeitdaten geht. Deswegen unterstreichen wir auch hier immer wieder: ‚Wir vermessen keine Personen, sondern Räume!“ Alles sei ohnehin DSGVO-konform und man verfahre auch nach dem Prinzip der Datenminimierung.

 

Und was lässt sich einsparen?


Wie aber sieht es mit den Einspareffekten aus – ein zentrales Anliegen beim Einsatz smarter Technologien. Morren brachte hier verschiedene Wirkungen ins Spiel. Hierzu gehöre aus Sicht eines Unternehmens auch, endlich zu wissen, was im Büro eigentlich los sei. Da gebe es nun eine viel größere Transparenz. Die betriebswirtschaftlichen Erkenntnisse wiederum basierten auf einer einfachen Rechenaufgabe. So koste ein Büroarbeitsplatz im Durchschnitt 15.000 Euro pro Jahr. Die Messung via iOffice zusammen mit Sensor Technologie wie VergeSense ungefähr 150 Euro. Schnell könne man auf diese Weise enorme Einsparpotenziale identifizieren und umsetzen. Bei Wildemans VergeSense sind die Kosten sogar noch niedriger. Daneben könne man die Dienstleistungen rund um die Immobilie viel besser steuern, wenn man die Echtzeit-Belegung kennt, relevant etwa für Reinigung, Wartung, aber auch Klimaanlage und Energie. Laut Wildeman sei es realistisch, 30 Prozent mehr Mitarbeiter auf demselben Raum unterzubringen. Unterm Strich sei alles einfach aufzusetzen – zumal die drahtlosen Sensoren von VergeSense. Einmal in Gang gesetzt, würde das System drei bis fünf Jahre laufen. Bei Wildemans Arbeitgeber kalkuliere man einen Komplettpreis pro Jahr, je nach Aufwand, Größe und Konstellation der Immobilien. Ähnlich bei iOffice, wo jedoch noch eine Servicegebühr hinzukommt. 

 

Transparente neue Arbeitswelt


Den diesmal besonders produktorientierten Mastertalk beschloss Glatte mit seiner bewährten Frage: „Wo steht die Branche in zwei bis drei Jahren, was gibt es für Trends?“ Morren sagte hierzu: “Auch hier gilt: ‘Data is the new oil!’. Es wird Verfeinerungen bei der Datenauswertung der Platzbuchungen und Arbeitsaktivitäten geben, was dann den verstärkten Einsatz von Künstlicher Intelligenz ermöglicht.“ Ähnlich datengetrieben äußerte sich Kollege Wildeman: Die Integration neuer Datenquellen, wie etwa Luftqualität oder Lärm, werde ausgebaut, auch von dritten Parteien. Die Branche wiederum werde sich weiter konsolidieren: „Es wird Fusionen und Akquisitionen, und manche Unternehmen werden vom Markt verschwinden.“ Bleiben aber werden die smarten Technologien, die den digitalen Arbeitsplatz für immer prägen werden.

„Die Welt wird besser werden“ - Nachhaltige Immobilienfinanzierung beim Mastertalk Real Estate (28. September 2021)

Created with Sketch.

Heidelberg, 28. September 2021 – Unter dem Schlagwort „Sustainable Finance“ bietet der Kapitalmarkt seit einigen Jahren Produkte an, die den Nachhaltigkeitskriterien genügen sollen. Diese Entwicklung hat nun auch die Immobilienwirtschaft erreicht. Was aber unterscheidet nachhaltige Finanzierung von traditionellen Finanzierungsformen? Wer fragt nachhaltige Finanzierung nach – und was bieten nachhaltige Finanzierungsformen überhaupt ihren Geldgebern? Um diese Fragen drehte sich der MasterTalk Real Estate #15 „Nachhaltige Immobilienfinanzierung – wie ‚grün‘ kann Kapital sein?“, veranstaltet von CoreNet Global und der Hochschule Fresenius.

 

Dabei hatte Prof. Dr. Thomas Glatte, Professor für Immobilienwirtschaft an der Hochschule Fresenius und als CNG-Vorstandsmitglied für Aus- & Weiterbildung zuständig, zusammen mit Co-Moderator Peter Prischl, Geschäftsführer afondo GmbH, drei Referenten versammelt. Vertreter der Finanzwirtschaft, der betrieblichen und institutionellen Immobilienwirtschaft präsentierten und diskutierten das „nicht triviale Thema“, so Glatte, aus unterschiedlichen Blickwinkeln:

 

·         Gerald Horvath, Managing Director UniCredit Corporate & Investment Banking, Wien

·         Sandra Dieckmann, Leiterin Unternehmensfinanzierung und Nachhaltigkeit VW Immobilien, Wolfsburg.

·         Jens Böhnlein, Global Head of Asset Management Commerz Real AG, Frankfurt

 

Als Vertreter der Banken gab Horvath in seinem Impulsvortrag einen Überblick darüber, wie einschlägige Produkte aufgelegt und strukturiert werden – und vor allem über die regulatorisch-rechtlichen Rahmenbedingungen. Diese ergeben sich aus dem Pariser Abkommen, mit dem sich die EU bis 2050 für eine klimaneutrale Wirtschaft verpflichtet, und dem Green Deal der EU, der unter anderem massive Investitionen auf dem Weg zu einer klimaneutralen Wirtschaft mobilisiert und besonders durch eine eigene „Taxonomie“  umgesetzt wird. Mit Letzterem ist keine Besteuerung gemeint, sondern eine europaweit einheitliche Definition von „nachhaltigen Investitionen“. Die Taxonomie soll die Frage beantworten, „welche Investitionen und wirtschaftlichen Tätigkeiten grün oder nachhaltig sind und einen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele leisten“ – und dies objektiv und transparent. Eines der wichtigsten Nachhaltigkeitsschlagwörter ist in diesem Zusammenhang ESG. Die Diskussion wird zeigen, dass sich nahezu alle Akteure derzeit auf das „E“ konzentrieren.

 

Umfangreiche Berichtspflichten ab 2022

 

Was aber bedeutet dieser weit gespannte Rechtsrahmen für die Unternehmen? Vor allem die Taxonomie wirke sich bereits deutlich auf Reporting, Investition und Finanzierung aus, so Horvath. Alle Finanzmarktteilnehmer und somit auch Immobilienfonds, Vermögensverwalter, institutionelle Anleger und an der Börse notierte Gesellschaften müssen ab 2022 darüber berichten, inwiefern ihre Tätigkeiten mit den Zielen der Taxonomie konform sind. Ab 2024 gelte das für sämtliche große Unternehmen. Nachfolgend sind auch KMUs an der Reihe.. Interessant im Hinblick auf den Immobiliensektor seien hierbei zwei Zahlen aus dem EU-Taxonomie-Report: 35 Prozent der Gebäude sind älter als 50 Jahre und 25 Prozent sind nicht energieeffizient – was den Druck auf entsprechende Maßnahmen erhöhe. „Immobilienunternehmen müssen daher ihre Portfolios an Taxonomie-Regularien und Berichtspflichten anpassen. Immobilienportfolios, die nicht weitestgehend den ESG-Kriterien entsprechen, werden zunehmend Einschränkungen bei der Investorensuche und/oder der Kapitalaufnahme erfahren“, unterstreicht Horvath.

 

Green Bonds und Green Loans

 

Welche nachhaltigen Finanzierungsinstrumente stehen nun zur Verfügung? zum Standard geworden sind bereits  Grüne bzw. nachhaltige Anleihen, etwa in der Form von Green Bonds, oder Kredite als Green oder ESG-linked Loan. Prominente Beispiele für Green Bonds seien die Anleihen des Wohnungskonzerns Deutsche Wohnen über eine Milliarde Euro oder der Vonovia über 600 Millionen Euro. Damit sind die beiden Großunternehmen in guter Gesellschaft: Das weltweite Volumen für ESG-Anleihen und Kredite betrug im vergangenen Jahr 732 Milliarden US-Dollar – eine Summe, die für 2021 auf eine Billion steigen soll. Eine zentrale Frage des MasterTalks war bereits im Vorfeld, wie nun die Konditionen aussehen, etwa für Anleihen. Diese unterliegen laut Horvath einem Bonus aus Sicht des Kapitalnehmers, der sich aufgrund breiter Investorenbasis und hoher Nachfrage Kapital in größerem Volumen und zu durchschnittlich geringeren Preisen beschaffen kann – während Investoren und andere Geldgeber wie Fonds, Banken und Pensionsgesellschaften in weiterer Folge auch mit einer durchschnittlich höheren Bewertung der gehandelten Anleihen rechnen können.. Kein Wunder bei der oft extrem starken Nachfrage und einem begrenzten Angebot: Oft sind die Bonds mehrfach überzeichnet. Fazit Horvath: „Der Markt ist da!“

 

„Grünes Geld für Grüne Assets“

 

Einen Einblick in die Praxis eines Immobilienunternehmens gab Sandra Dieckmann von Volkswagen Immobilien, einer Tochtergesellschaft von VW. Sie berichtete ausführlich von der Begabe zweier Green-Schuldscheindarlehen durch ihr Unternehmen – und über den Paradigmenwechsel in der Branche: „Bis vor einigen Jahren wurde der Nachhaltigkeitsfokus in der Immobilienwirtschaft nur auf den Bau, Betrieb und die Verwertung der Immobilien gelegt. Künftig übernimmt die Finanzwirtschaft eine Schlüsselrolle auf dem Weg zur globalen, nachhaltigen Entwicklung.“

 

Um „weitere Finanzierungsquellen zu erschließen, aber auch die CO2-Ziele einzuhalten“, hat Volkswagen Immobilien bereits zwei Tranchen eines Green Bonds begeben: Eine Tranche über 107 Millionen Euro im Jahr 2018 mit Laufzeiten von fünf bis 15 Jahren und Zinssätzen von knapp einem Prozent bis 2,75 Prozent und eine zweite über 60 Millionen Euro im Mai 2019 zu nahezu identischen Konditionen. Damit einher gehen indes umfassende Verpflichtungen, besonders in puncto Berichtswesen und Zertifizierung. Hierfür gebe es ein „Green Bond Framework“, in dem Projekte, Mittelverwendung und der grüne „Verwendungszweck“ definiert werden. Eine ESG-Ratingagentur bescheinige als zweite Instanz ebenfalls die „Grünheit“ der Projekte, was wiederum vor Greenwashing schütze – ein genereller Vorwurf, der erst kürzlich immer lauter wurde. Ein jährliches Nachhaltigkeitsrating bilde die Basis für dieses zweite Rating. Zudem müssten die Standards der Climate Bond Initiative eingehalten werden, darunter die jährliche Veröffentlichung des Green Bonds Reports und eine jährliche Erneuerung des Berichts an die Climate Bond Initiative. Hinzutreten weitere Verpflichtungen, nämlich die Veröffentlichung eines Nachhaltigkeitsberichts und die regelmäßige Überprüfung der ESG-Fokus-Themen sowie alle zwei bis drei Jahre die Überprüfung des Green Bond Frameworks.

 

An die Ausführung Dieckmanns schloss sich die Frage Glattes an, ob das Thema vor allem deshalb so stark vorangetrieben werden, weil es reguliert werde – oder gebe es auch eine Eigenmotivation? Die Antwort übernahm Jens Böhnlein von der Commerz Real AG: „Unsere intrinsische Motivation ist hoch! Wir halten uns konsequent an das Konzept der Taxonomie. Dies ist uns wichtig und Teil unseres Purpose für nachhaltige Lebenswelten. Es ist aber auch eine Reaktion auf ein schwarz-weiß-Schema. Denn wer nicht mitmacht bei ESG, ist bald nicht mehr Teil des Wirtschaftskreislaufs.“

 

Kann man Mieter ablehnen?

 

In der anschließenden Debatte wurde die Frage aufgeworfen, ob nicht die Gefahr bestehe, dass man bei 15 Jahren Laufzeit „gefangen“ sei, wenn die ESG-Konzeption und -Kriterien weiterentwickelt werden? Die Diskussionsteilnehmer sahen diesen Punkt als nicht so gravierend an, zumal die EU das Thema im Blick habe. Hingegen sei es ein gewisses Problem, dass die verschiedenen Zertifizierungen und Labels nach unterschiedlichen Systematiken funktionierten und schwer vergleichbar seien. Spannend wurde es dann bei der Frage, ob man auf bestimmte Gruppen von Gewerbe- und Büromietern, die die Nachhaltigkeitskriterien womöglich torpedieren, verzichten könne. Hierzu Böhnlein: „Bislang muss der Mieter noch nicht bewertet und in die Rechnung einbezogen werden. Doch ohnehin seien der Markt und auch Fonds noch nicht so weit, Mieter abzulehnen.“ Aber es sei eine Frage der Zeit, all dies könne sich verändern.

 

Einig waren sich alle Beteiligten im kurzerhand verlängerten Mastertalk, dass das Thema Nachhaltigkeit längst den Weg vom Marketingetikett zum harten Umfeld- und Erfolgsfaktor gefunden hat. „Die Welt wird so besser werden“, fasst Horvath zum Abschluss zusammen.

 „Vollvermietung: Corona hätte zu keinem besseren Zeitpunkt kommen können“ - Büroimmobilien nach Corona – Revival oder Niedergang einer Assetklasse? (11. Juni 2021)

Created with Sketch.

Heidelberg, 11. Juni 2021 – Was bedeuten die Corona-Pandemie und der Homeoffice-Hype für die Assetklasse Büroimmobilie? Welche Standorte, Lagen und Ausstattungsmerkmal sind gefragt? Sind Büroimmobilien für Investoren überhaupt noch eine sichere Anlageform? Das waren die wichtigsten Fragen im Vorfeld des 14. MasterTalks Real Estate von CoreNet Global (CNG) und der Hochschule Fresenius Heidelberg (HSF). Zu deren Beantwortung hatten die Moderatoren Prof. Dr. Thomas Glatte, Professor für Immobilienwirtschaft an der HSF und Sven Wingerter, Geschäftsführer der Eurocres Consulting, erneut ein „topkompetentes Panel“ zusammengebracht: Andreas Hoffmann, Head of Property Europe Cromwell European REIT; Sven Carstensen, Vorstand Bewertung / Analyse Bulwiengesa AG Berlin und Stephan Leimbach, Head of Office Leasing Germany, JLL.


Die Corona-Pandemie hat dazu geführt, dass überall Büros leergefegt sind und Unternehmen Gedanken über die künftigen Arbeitswelten nachdenken – und damit über die Nutzung ihrer Büros. Andererseits machen Büroimmobilien einen starken Anteil im Portfolio vieler Investoren aus. In den vergangenen Mastertalks wurden vor allem Nutzeraspekte diskutiert. Heute nun ging es vorrangig um die Perspektive von Investoren, Asset Managern und Vermietern. In seinem Impulsreferat gab Sven Carstensen von Bulwiengesa zunächst einen Überblick über Daten, Zahlen und Trends. Laut dem von seinem Haus regelmäßig erstellten „Immobilienklima“ haben sich Wohnen und Logistik in den vergangenen Monaten bestens entwickelt. Handel und vor allem Hotels sind dagegen abgestürzt. Zwischen diesen beiden Extremen liegen Büroimmobilien. Beste Voraussetzungen also für einen spannenden Mastertalk.


„Vor Corona gab es wenig Leerstand, in Berlin etwa nur 1,7 Prozent. Jetzt sind es mit drei Prozent nur unwesentlich mehr. Der Markt hat sich entspannt, mehr aber auch nicht“, betonte Carstensen. Seine Kernaussage aus Anbietersicht: „Der Büromarkt hätte sich für Corona keinen besseren Zeitpunkt aussuchen können als jetzt.“ Von einer gesunden Leerstandsquote von um die fünf Prozent sei man noch weit entfernt. Größere Hoffnungen auf Incentives wie mietfreie Zeiten solle sich kaum ein Mieter machen.

Dennoch sei der Büroflächenumsatz in 2020 dramatisch um ein Drittel zurückgegangen – eine Kennziffer, die zuverlässig mit der Entwicklung des BIPs korreliere. Eine der wesentlichen Fragen sei nun: Wie wirkt sich die Nutzung von Heimarbeit durch ganze Belegschaften auf die Flächennachfrage aus? Hierbei gebe es höchst widersprüchliche Signale, wie alle Diskussionsteilnehmer feststellen werden. Zum einen sei die Arbeit von zuhause aus für die Unternehmen nicht unbedingt billiger, da sie in einen modernen Arbeitsplatz, Geräte und Ausstattung investieren müssen. Daneben werde sich mutmaßlich die Fläche pro Mitarbeiter in den Büros erhöhen – sei es aus Virenschutzgründen oder weil die Flächen andere Funktionen für die „Lagerfeuer-Kommunikation“ erhalten. Gleichzeitig rücke immer mehr der sogenannte dritte Ort in den Fokus, also die zusätzliche Nutzung von Coworking-Centern oder Satellitenbüros.


Carstensen spielte mehrere Szenarien durch: Im Fall einer angenommenen Heimarbeitsquote von 25 Prozent und einem halben Quadratmeter mehr pro Bürobeschäftigten könnte es im Jahr 2025 zu einer Leerstandsrate von bis zu acht Prozent kommen. Immer noch wenig und nahe dran an der Unterkante eines gesunden Markts. Doch Carstensen blieb skeptisch ob einer verstärkten Arbeit von zuhause: „Nicht jeder kann Homeoffice, oft ist der Platz viel zu klein. Und etwa in München wird sich niemand extra nur für diesen Zweck eine größere Wohnung anmieten.“ Zudem berichtete er von Untersuchungen, denen zufolge Angestellte weniger produktiv seien, wenn sie von zuhause aus arbeiten.


Wie aber sieht es mit den Renditen aus, das wesentliche Ziel von Investoren. Trotz eines Vermietermarktes gebe es beispielsweise in Berlin sogar Minusrenditen, auch wenn diese nicht die Regel seien. Der Durchschnitt dort liege gerade bei 2,6 Prozent, in Städten wie Hamburg und Köln sei es mit 3 und 3,5 Prozent besser. Größere Chancen hingegen gebe es in Mittel- und Kleinstädten: Dort könnten Investoren mit Durchschnittsrenditen von um die vier Prozent rechnen. Eine andere Unbekannte in dieser Rechnung sei indes der Neubau. Hier haben manche Investoren ihre Vorhaben mitten in der Pandemie noch rechtzeitig abgesagt. Nun wiederum würden extrem gestiegene Materialkosten – im Hochbau von 25 Prozent – neue Projekte deutlich verteuern. Wenig überraschend daher die Kernaussage Carstensens am Ende seiner Einstiegsrede: „Die Projektentwicklung geht eher zurück.“

 

„Spannender Aufschlag“, so Moderator Glatte

JLL-Vertreter Stephan Leimbach machte auf den großen Unterschied zu den vorangegangenen Dotcom- und Finanzkrisen in den Jahren 2000 und 2008 aufmerksam: „Heute haben wir nahezu Vollvermietung. Augenhöhe zwischen Vermieter und Mieter erreichen wir aber erst bei einer Leerstandsquote um 5 Prozent. Angesichts der zurückgefahrenen Neuprojekte und der mutmaßlichen Flächenausweitung pro Mitarbeiter sind das womöglich keine guten Nachrichten für Mieter.“


Glatte richtet die nächste Frage an den dritten Diskussionsteilnehmer Andreas Hoffmann von Cromwell European REIT: „Lohnt es sich für einen Investor noch, heute in deutsche Büroimmobilien reinzugehen?“ Antwort Hoffmann: „Man muss Büroimmobilien mit anderen Assetklassen vergleichen. Große, institutionelle Investoren habe da wenig Auswahl.“ Bezogen auf das Risiko habe Real Estate immer schon eine gute Rendite gehabt. Außerdem sei der Anlagedruck nach wie vor hoch. „An Büros als größtem Immobiliensegment kommt man also nicht vorbei!“, so sein Zwischenfazit. All dies hänge natürlich Objekt und dessen Eigenschaften ab, allem voran der Lage. Im Zentrum werden attraktive Büros weiterhin stark nachgefragt, eher nicht am Stadtrand mit oft mittelmäßiger Qualität, die stärker von den Coronafolgen betroffen sein dürften. Insgesamt sieht Hoffmann große Perspektiven für Immobilien als Assetklasse. Einig war man sich: Neue Projekte dürfen keine Monokulturen sein, müssen eine hohe Aufenthaltsqualität besitzen, auf die veränderten Bedürfnisse der Mitarbeiter und Nachhaltigkeit eingehen. Das gelte vor allem für dezentrale Lagen, die obendrein eine gute ÖPNV-Anbindung benötigen, um erfolgreich zu sein.

 

Einfluss von Heimarbeit völlig offen

Auch Leimbach von JLL sieht es nicht als ausgemacht an, dass Heimarbeit zu einem großen Flächenverlust führen werde. Die entsprechenden Aussagen von Versicherungen oder Automobilfirmen etwa liegen eher an grundsätzlichen Einsparungen und Veränderungen beim Geschäftsmodell. Wachstums- und andere Branchen würden einen etwaigen Einbruch sofort ausgleichen. Ein Programmierer könne zwar überall auf der Welt sitzen. Aber für klassische Bürobeschäftigte sei das gemeinsame Büro vor allem für die Firmenkultur immer noch zentral, besonders bei Großunternehmen. Trotzdem werde man alle Ausprägungen je nach Organisation erleben: mehr, weniger und gleichbleibender Bedarf. Gleichzeitig könne es in ausgewählten und stark nachgefragten Städten zu Verschiebungen in den Lagen kommen, wie etwa mit dem aufstrebenden Standort München-Riem und mit dem Werksviertel in der Landeshauptstadt Bayerns.

Angesichts der Marktumstände erwarten Hoffmans Investoren nach wie vor sieben Prozent Rendite. Doch kaufen wird er erst wieder im Jahr 2022. „Bis dahin dürften die Preise noch sinken.“ Aus Sicht Bulwiengesas sei der Anbietermarkt allerdings keineswegs ein Selbstläufer: „Projektentwickler, die jetzt nach Deutschland kommen, sollten es sich überlegen“, so Carstensen. Diese beiden Ausblicke führte sogleich zur Abschlussfrage Glattes: „Wo stehen wir in 2026, also in fünf Jahren? Ich habe hierzu seit einem Jahr eine Wette laufen!“


„Es wird einen leichten Mietanstieg von vier bis fünf Prozent geben, der Leerstand wird ebenso viel betragen“, so Analyst Carstensen. Hoffmann sagt ebenfalls einen etwas höheren Leerstand voraus, besonders in dezentralen Lagen. Mittelfristig gibt er jedoch eine optimistische Prognose ab. Laut JLL-Mann Leimbach werde man einen geteilten Markt erleben: „In Toplagen werden Mieten steigen, andere entwickeln sich eher seitwärts. Aber es gibt kaum Leerstand. Denn Neubau ist teuer.“ Dies gelte indes nur für die nächsten zwei bis drei Jahre. 2026 sei für verlässliche Aussagen ein noch zu weit entfernt Zeitpunkt. 


Dagegen schätzte Co-Moderator Sven Wingerter von Eurocres die Lage völlig anders ein: „Für das Gros der „Durchschnitts-Büros“ sehe ich wenig Hoffnung. Es wird für diese Büros ein Flächensterben geben. Nicht das Homeoffice sondern die Digitalisierung wird für soviel Effizienz und mobile Arbeit sorgen, dass sich alle warm anziehen müssen, die sich beruflich mit Büros beschäftigen. Die Arbeitswelt braucht ein Lagerfeuerbüro und viele zusätzliche Orte zwischen denen die Mitarbeiter wählen können – eben ein multilokales WorkPlace Modell, hocheffizient und digital vernetzt “ Ins selbe Horn stieß Thomas Glatte: „Ich habe eine Wette mit Kollegen im Research laufen. Der Büroflächenbedarf könnte sich aus meiner Sicht um über 20 Prozent reduzieren. Das schließe ich aus Gesprächen mit CREM-Vertretern.“ Doch abschließend habe er noch eine gute Nachricht für Vermieter: „Ich habe erst einmal in meinem Leben eine Wette gewonnen, und das ist schon lange her.“

 „Corona hat uns brutal aus der Komfortzone geholt“ - Mitarbeitergesundheit in multi-lokalen, Post-Corona Arbeitsstrukturen“ (31. Mai 2021)

Created with Sketch.

Heidelberg, 31. Mai 2021 – Im dreizehnten „Mastertalk Real Estate“, der von CoreNet Global (CNG) zusammen mit der Hochschule Fresenius Heidelberg (HSF) veranstaltet, wurde, stand das Thema „Mitarbeitergesundheit in multi-lokalen, Post-Corona Arbeitsstrukturen“ im Mittelpunkt. Moderiert wurde die Veranstaltung von Prof. Dr. Thomas Glatte, Professor für Immobilienwirtschaft an der HSF und als CNG-Vorstandsmitglied für Aus- und Weiterbildung zuständig.

 

Seit mehr als einem Jahr hat uns Corona fest im Griff. Und genauso lange sprechen wir über die Folgen und Veränderungen für die Arbeitswelt. Heimarbeit bringt viele Vorteile – doch gilt dies auch fürs körperliche Wohlergehen? 

 

„Corona hat für einen epochalen Paradigmenwechsel bei Bürogebäuden gesorgt – und uns brutal aus der Komfortzone geholt“, so Jenö Kleemann, Managing Partner von Eurocres Consulting GmbH, gleich zum Auftakt seines Impulsreferats. Denn während Gesundheitsaspekte in Büros eine immer wichtigere Rolle gespielt hatten, finden sich nun die Mitarbeiter am heimischen Arbeitsplatz wieder, der nur selten modernen Ansprüchen gerecht wird. „Heimarbeit hat viele Vor- und Nachteile, ein Manko ist jedoch der Rückschritt bei Gesundheit, Sitzhaltung und mangelnder Bewegung.“ Initiativen und Aufklärungsarbeit müssen genau dort ansetzen.

 

Eine weitere Neuerung ist die künftige Aufteilung der Arbeitsorte. Kleemann hierzu: „Durch unsere Aufträge und Projekte wissen wir stets, wie Unternehmen arbeiten, wie die realen Aktivitäten aussehen – und was sich Mitarbeiter wie Organisationen wünschen: Alles scheint auf je zwei bis drei Tagen im Büro und unterwegs/ zuhause hinauszulaufen. Mehr noch: Die Tätigkeiten werden ‚multilokal‘ stattfinden und etwa auch Satellitenbüros einschließen.“ Doch egal, wo man arbeite, die Arbeitswelt müsse gesundheitsfördernd sein. 

 

Sitzen – das heimliche Seminarmotto

 

Dr. Birgit Sperlich vom Institut für Sportwissenschaften der Universität Würzburg bestätigte die Erkenntnisse Kleemanns in ihrem Beitrag zur „Bewegung und sedentärem Verhalten an unterschiedlichen Arbeitsplätzen“. Der Begriff „sedentär“ umfasst dabei jegliches Verhalten in Sitz-, Liegesitz- oder Liegepositionen. Sie berichtete, dass vor der Pandemie Studien zeigten, dass drei Viertel der Arbeitszeit in Büros im Sitzen verbracht wird. Zuhause könnten die Zahlen noch kläglicher aussehen, wie aktuelle Daten aus Tokio belegen: „Je mehr Homeoffice, desto mehr sitzen die Leute und umso weniger bewegen sie sich und sind aktiv. Schlimmer noch: Auch die Sitzdauer am Stück hat zugenommen.“ Neben möglichen Chancen des Home-Offices ist ein weiterer Nachteil von Heimarbeit: „Da die Mitarbeiter nicht mehr pendeln, fehle jenen, die das Fahrrad ins Büro genommen haben oder gar gelaufen sind, ein Teil ihrer automatischen Bewegung. Einer Meta-Analyse zur Folge kann aktives pendeln das Risiko für eine frühzeitige Sterblichkeit um 9 Prozent senken“, so Sperlich.

 

Caro Windlin, Co-Founder des Coworkinganbieters 1000 Satellites und Psychologin, brachte „Coworkingspaces als dritte Säule des Real Estate Managements“ ins Spiel – neben Büro und Heimarbeitsplatz: „Wir haben bei uns viele Homeoffice-Flüchtlinge, die zuhause den Austausch vermissen und bei uns wiederfinden.“ Sie empfiehlt als Dreingabe zum neuen Mix ein bis zwei Tage pro Woche den Gang ins Coworking-Center.

 

In seiner Fragerunde wies Prof. Glatte stets auf das inoffizielle Seminarmotto hin: „Sitzen ist das Thema“. Dr. Sperlich erläuterte, wie wichtig ein fester Zyklus am Schreibtisch sei: „Sitzen, stehen, bewegen – das sollte im ständigen Wechsel erfolgen. Und alle 30 Minuten aufstehen!“ „Wo stehen wir in zehn Jahren?“, fragte Prof. Glatte zum Abschluss. Kleemanns Antwort war eindeutig: „Wir werden uns mehr bewegen und weniger sitzen.“ Windlin sah es ebenso. Dr. Sperlich teilte den Optimismus nur in Teilen. Für sie müsse ein starker Lern- und Veränderungsprozess bei allen einsetzen, dass Bewegung zum Schlüssel zur Gesundheit gehört, damit sich auf diesem Gebiet was verbessert.

 

Das passte zum Fazit Jenö Kleemanns: „Alle, die sich mit dem Thema befassen, erleben gerade eine historische Chance. Die Mitarbeiter selbst machen sich über gesundheitsfördernde Arbeitsumgebungen Gedanken, über deren Gestaltung und auch Activity Based Working. Diesen Faden müssen wir aufgreifen und auch immer wieder darauf hinweisen, dass viele Lösungen auf einfachen Grundregeln basieren – etwa die automatischen Anregungen durch Mikroimpulse.“

„Mastertalks“ für Studierende und Professionals im Jahr 2020 mit neun Webinaren und rund 600 Teilnehmern (18. Dezember 2020)

Created with Sketch.

„Mastertalk Real Estate“ startet in 2021 am 12. Januar mit internationaler Diskussionsrunde zu Auswirkungen des Brexit 

 

Heidelberg, 18. Dezember 2020 – CoreNet Global (CNG), die weltweit führende Vereinigung von Corporate Real Estate (CRE) Managern, hat dieses Jahr gemeinsam mit der Hochschule Fresenius Heidelberg (HSF HD) ein neues digitales Format zur Fortbildung etabliert. Die Webinar-Reihe „Mastertalk Real Estate“ startete im Mai auf dem Höhepunkt der ersten Corona-Welle als ad hoc-Maßnahme für CNG-Mitglieder und Studierende der Immobilienwirtschaft.

 

Prof. Dr. Burkhard Schmidt, Präsident der HSF HD: „Die ´Mastertalks´ sind ein wichtiges und modernes Zusatzangebot der Hochschule Fresenius Heidelberg, nicht nur in Zeiten der virtuellen Lehre, das von den Studierenden sehr geschätzt wird.“ Mittlerweile sind auch andere Hochschulen und Universitäten eingebunden. So fand Anfang Dezember der „Mastertalk Real Estate“ gemeinsam mit dem so genannten IREMtalk der Universtät Stuttgart statt.

 

Insgesamt wurden neun Veranstaltungen in diesem Jahr durchgeführt, während der ersten Corona-Welle alle zwei Wochen, seit September monatlich als fester Bestandteil des CNG-Veranstaltungsprogramms. Insgesamt gab es rund 600 registrierte Teilnehmer, etwa ein Drittel Studierende, zwei Drittel Real Estate Professionals. Jöri Engel, Präsident von CNG in Central Europe: „Wir haben ein erfolgreiches Online-Format entwickelt, das von der CREM-Branche sehr gut angenommen wurde und daher als fester Bestandteil unseres CNG-Programmes auch über 2020 hinaus fortgeführt wird.“

 

Fokusthema in diesem Jahr waren die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die Immobilienwirtschaft, die Arbeitswelten und die internationalen Immobilienmärkte. Die Talk-Titel waren u.a.: Ist Home das bessere Office? Corporates nach Covid-19, Corona als Innovationstreiber sowie Märkte in Aufruhr oder Business as usual. Referate und virtuelle Podiumsdiskussionen waren hochkarätig und zum Teil auch international besetzt. Prof. Dr. Thomas Glatte, Professor für Immobilienwirtschaft an der HSF und als CNG-Vorstandsmitglied für Aus- und Weiterbildung zuständig: „Wir sind sehr dankbar für die professionelle Unterstützung von CNG und HSF. 2021 wird der Fokus stärker auf Innovationen, Marktveränderungen sowie die Transformation der Immobilienwirtschaft gesetzt.“

 

Die nächste „Mastertalk“-Serie wird im nächsten Jahr am 12. Januar mit einer internationalen Diskussionsrunde zu den Auswirkungen des Brexit auf den britischen und europäischen Immobilienmarkt starten.

Corona als Innovationstreiber – Zeitgemäßer Immobilien-Betrieb im „neuen Alltag“ mit der Pandemie (29. Juni 2020)

Created with Sketch.

Heidelberg, 29. Juni 2020 – CoreNet Global (CNG) bietet seit Ende April zusammen mit der Hochschule Fresenius allen Interessierten kostenfreie Webinare zu aktuellen Themen an. Vor der Sommerpause geht es beim fünften „Mastertalk Real Estate“ am 30. Juni von 17 bis 18 Uhr um „Corona als Innovationstreiber – Zeitgemäßer Immobilien-Betrieb im ´neuen Alltag´ mit der Pandemie“

 

Prof. Dr. Thomas Glatte, als CoreNet Global (CNG)-Vorstandsmitglied für Aus- & Weiterbildung zuständig: „Wir freuen uns sehr, dass unser digitales Veranstaltungsformat von Fachkollegen und Studierenden so gut angenommen wird, und wir eine konstante Teilnahme verzeichnen.“ Prof. Dr. Burkhard Schmidt, Präsident der Hochschule Fresenius Heidelberg, ergänzt: „Nach dem 30. Juni gehen wir in die Sommerpause, führen aber den ´Mastertalk´ ab September fort. Das digitale Format ist in der Immobilienwirtschaft angekommen.“

 

Im kommenden „Mastertalk“ geht es um das Stichwort Hygiene im Einzelhandel, das plötzlich vom „nice to have“ zum „must have“ in der Immobilienwirtschaft wird. Nach langer Schließung der Geschäfte steht das Facility Management vor der Herausforderung, den Kunden die sichere Rückkehr in die Geschäfte zu ermöglichen. Wie ist das möglich? Im Idealfall ist man der Corona-Krise bereits einen Schritt voraus und setzt nicht erst jetzt auf das Thema Hygiene. Die ECE Projektmanagement GmbH & Co. KG erprobt bereits seit 2017 gemeinsam mit dem Kölner Start-Up UVIS UV-Innovative Solutions GmbH den Einsatz von UVC-Desinfektionsmodulen an Rolltreppen in Shoppingcentern.

Im „Mastertalk“ zeigen Christian Schlicht, ECE Projektmanagement und Tanja Zirnstein, UVIS UV-Innovative Solutions, wie sie gemeinsam von innovativen Produkten profitieren und gestärkt aus der Krise hervorgehen. Der produktive Umgang mit der Krise wird im Fokus des Talks stehen. Hygiene ist dabei nicht nur als imagebildendes Tool einsetzbar, sondern stellt einen unverzichtbaren Bestandteil eines jeden verantwortungsvollen und nachhaltigen Gebäudekonzeptes dar.

Jöri Engel, Präsident von CoreNet Global (CNG) in Central Europe: „Mit allen unseren ´Mastertalks´ haben wir gesehen, dass wir thematisch den Nerv der Zeit getroffen haben. Das haben uns die durchweg sehr positiven Reaktionen gezeigt. Um das Corporate Real Estate Management weiter voranzubringen, werden wir deswegen auch zukünftig auf das Online-Format setzen.“ 

CoreNet Global (CNG) und Hochschule Fresenius Heidelberg (HSF) bieten neues digitales Format zur Fortbildung (29. April 2020)

Created with Sketch.

Heidelberg, 29. April 2020 – CoreNet Global (CNG), die weltweit führende Vereinigung von Corporate Real Estate (CRE) Managern, bietet gemeinsam mit der Hochschule Fresenius Heidelberg allen Interessierten ein neues digitales Format zur Fortbildung an, welches auch über die Corona-Zeit hinaus fortgeführt werden soll. 

 

Die Webinar-Reihe „Mastertalk Real Estate“ startet am 5. Mai und findet dann folgend alle zwei Wochen jeweils dienstags um 17 Uhr statt. Am 5. Mai wird das Sven Wingerter, Geschäftsführer der Eurocres Consulting GmbH zum Thema „Büros brauchen ein Lagerfeuer! Warum Corona den Büromarkt massiv verändern wird“ referieren.

 

Jöri Engel, Präsident von CoreNet Global (CNG) in Central Europe: „Die Aus- und Weiterbildung zu fördern war und ist besonders auch in Corona-Zeiten eine der zentralen Aufgaben von CoreNet Global. Deswegen bieten wir unsere Webinar-Reihe auch kostenfrei und für alle frei zugänglich an.“ „Wir legen sehr viel Wert auf eine wirtschaftsnahe und praxisrelevante Ausbildung an unserer Hochschule. Das neue digitale Format ergänzt dabei unsere Lehre hervorragend“, ergänzt Prof. Dr. Burkhard Schmidt, Präsident der Hochschule Fresenius Heidelberg. 

 

Prof. Dr. Thomas Glatte, Professor für Immobilienwirtschaft an der Hochschule Fresenius Heidelberg und als CNG-Vorstand für die Veranstaltung zuständig, pflichtet dem bei: „Wir alle sind durch COVID-19 endgültig in der digitalen Welt angekommen. Trotz der funktionierenden Tools kommen der fachliche Austausch und insbesondere die Inspiration zu kurz. Wir möchten mit unserer neuen Webinar-Reihe auch langfristig unseren kleinen Beitrag leisten, dass Immobilienprofis und Studenten einen einfachen und ungezwungenen Zugang zu Innovationen erhalten.“

 

Alle Veranstaltungen erfordern lediglich eine vorherige Registrierung über einen Link, der Online verfügbar ist. Wer nicht Mitglied bei CoreNet Global ist, kann sich über den Guest Account registrieren. Gern kann die Einladung mit weiteren Interessierten geteilt werden. Es gibt keine Teilnahmebeschränkungen. 

Unser Sponsor

eurocres Consulting GmbH, Berlin
Website

Unser Sponsor

Interface Deutschland GmbH, Krefeld
Website